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2025: Das Jahr der MASH-Therapeutika

Das abgelaufene Jahr 2025 war – wieder einmal – ein sehr erfolgreiches Jahr für die Aktienanleger. Der Dax kletterte um 22,6%, vor allem getrieben durch die Rüstungs- und KI-Aktien, und übersprang im neuen Jahr sogar kurzfristig die magische 25.000 Punkte-Marke. Der NASDAQ-Biotech-Index verbesserte sich im Zeitraum 2025 um deutliche 33,5%.

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Der Blick auf die deutschen Biotechnologieaktien ergibt ein sehr heterogenes Bild für das Jahr 2025. Von den Aktien der 18 deutschen, börsen­notierten Unternehmen schlossen 12 Aktien (67%) im vergangenen Jahr mit zum Teil hohen Kursverlusten gegenüber Ende 2024 ab, nur 6 Aktien (33%) verzeichneten dagegen zum Teil hohe Kurssteigerungen. Zu den Kurs­gewinnern im zweistelligen Bereich gehörten etwa die Aktien von atai Life Sciences, Immatics, FamiCord und Heidelberg ­Pharma. Die Verliererliste – auch hier im zweistelligen Bereich – wird von Mainz Biomed, Inflarx, 4basebio sowie Immunic angeführt. Die Betrachtung der deutschen Flagship-Biotech-Firmen zeigt, dass BioNTech 2025 zwar einen Kursverlust von 2,9% verzeichnete (der Aktienkurs pendelte immer zwischen 90-100 US-Dollar), seit Beginn des Jahres 2026 stieg der Kurs auf rund 110 US-Dollar. Die Onkologie-Strategie der Mainzer scheint die Phantasie der Anleger anzuregen.

Andere größere Biotech-Unternehmen boten ein gemischtes Bild: Die Qiagen-Aktie legte um 5% zu. Der Evotec-Kurs gab 2025 nochmals um 18% nach, die angestrebte Konsolidierungsstrategie trug im Jahresverlauf noch keine erkennbaren Früchte. Der Formycon-Kurs gab sogar um 57% im Jahr 2025 nach. Das Biosimilarsumfeld scheint schwieriger kalkulierbar zu sein. Nach vielen Jahren gab es 2024 wieder einen Börsengang in der deutschen Biotech-Szene. Pentixapharm gelang der Sprung an die Frankfurter Börse, aber ein Jahr später gab der Pentixapharm-Kurs um 33% nach.

Mit Morphosys und Medigene haben im Jahr 2025 zwei Urgesteine der deutschen Biotechnologie den Geschäftsbetrieb ­eingestellt, Curevac wurde von BioNTech gekauft und manche andere ist vom Börsenzettel gelöscht. Der Konsolidierungsprozess der deutschen Biotechnologie geht damit auf dem Börsenparkett weiter und ein klarerer Trend über alle aktuell börsennotierten Unternehmen an diversen Börsenplätzen ist nicht zu erkennen. Die Einzelbetrachtung bleibt weiterhin nötig.
Statt mit gemischten Gefühlen zurückzublicken, soll an dieser Stelle ein Blick nach vorn gewagt werden mit Fokus auf eine spezifische Indikation.

Die Leber, insbesondere die Indikation Leberfibrose, rückt immer stärker in den Mittelpunkt der Portfoliostrategie der großen Pharmaunternehmen. Bis Mitte 2024 gab es kein zugelassenes Arzneimittel zur Therapie der Leberfibrose oder der Leberzirrhose. Im Mai 2024 erhielt die amerikanische Biotech-Firma Madrigal Therapeutics die FDA-Zulassung für den Wirkstoff Resmetirom (THR-Beta Rezeptor-Blocker) zur Behandlung des MASH-Syndroms (metabolic dysfunction-associated steatohepatitis) Stadium 2/3, der Hauptform der Leberfibrose. Die jährlichen Behandlungskosten je Patient betragen rund 50.000 US-Dollar, für das Jahr 2025 wird bereits ein Umsatz von über 1 Mrd. US-Dollar erwartet – Blockbusterstatus. Bereits im vergangenen Jahr hat sich der Aktienkurs des Unternehmens von 250 auf über 500 US-Dollar verdoppelt. Die Markteinführung in Europa ist für das erste Halbjahr 2026 geplant.

Drei große Pharmafirmen erweiterten im Jahr 2025 ihr Portfolio mit FGF21-Agonisten zur Behandlung von MASH im ­Stadium 2/3: GSK hat im Mai 2025 Boston Pharma­ceuticals (Wirkstoff: Efimosfermin) für 1,2 Mrd. US-Dollar Upfront und fast noch einmal so viel Geld an Meilensteine gekoppelt gekauft (rund 800 Mio. US-Dollar). Im September übernahm Roche das Unternehmen 89bio (Wirkstoff: Pegozafermin) für 3,5 Mrd. US-Dollar. Zu guter Letzt kaufte die dänische Novo Nordisk im Oktober Akero Therapeutics (Wirkstoff: Efruxifermin) für 4,7 Mrd. US-Dollar. Dieser Kauf ist umso erstaunlicher, als Novo Nordisk im August 2025 die FDA-Zulassung für Semaglutid zur Behandlung von MASH-Patienten im Stadium 2/3 erhalten hatte. Insgesamt sind zurzeit 7 Wirkstoffe zur Behandlung des MASH-Syndroms in Phase II/III. Kann es Zufall sein, dass Big Pharma in einem Zeitraum von knapp einem halben Jahr über 10 Mrd. US-Dollar für Therapeutika zur Behandlung von MASH ausgibt, wenn hier nicht die nächsten Blockbuster-Präparate erwartet werden? Eine weitere Frage bleibt offen: Welche Medikamente sollen Patienten mit Leberfibrose mit viraler oder alkoholischer Ätiologie erhalten? 

Der Börsenkommentar von Dr. Michael Thiel, Kooperationspartner SANEMUS AG, München, ist |transkript 1/2026 entnommen.

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